Die Lunge verdient unsere Aufmerksamkeit und Fürsorge. Ähnlich wie die Haut steht sie in ständigem, intensivem Kontakt mit der Umwelt und erbringt dabei Spitzenleistungen.
Die Lunge versorgt den Körper mit Sauerstoff. Und Sauerstoff ist Leben. Die Lunge ist daher eines der wichtigsten Organe. Sie liegt gut geschützt im Brustkorb, gleich hinter den Rippen und dem Brustbein. Man spricht zwar meist von „der Lunge“, das Organ besteht aber eigentlich aus zwei Teilen: dem rechten und dem linken Lungenflügel. Einschnitte unterteilen den linken Flügel in zwei, den rechten in drei Lungenlappen. Als Transportweg für die Atemluft dient das Bronchialsystem, das wie ein auf dem Kopf stehender Baum aufgebaut ist. Von der Luftröhre ausgehend unterteilt sich der „Hauptstamm“ in zwei Hauptbronchien. Von diesen Hauptbronchien gehen wie Äste viele weitere Bronchien ab, die sich in den Lungenflügeln verzweigen. Sie werden gestützt und geschützt von Spangen und Plättchen aus Knorpeln, die die Bronchien für die durchströmende Atemluft offen halten. Ihre Gefäßwände besitzen außerdem Muskeln, die sich zusammenziehen können. Auf diese Weise können sich die Bronchien bei Bedarf verengen.
Auch die kleinsten Ästchen der Bronchien, die rund einen Millimeter großen Bronchiolen, verzweigen sich ein weiteres Mal: An ihrem Ende sitzen wie die Blätter einer Baumkrone die insgesamt 300 bis 400 Millionen Lungenbläschen – oder Alveolen – des Atmungsorgans. „Würde man die Oberflächen aller Lungenbläschen ausbreiten, wären diese insgesamt so groß wie ein Tennisplatz“, veranschaulicht Univ.-Prof. Dr. Michael Studnicka, Vorstand der Salzburger Universitätsklinik für Pneumologie. Die Alveolen sind der Endpunkt und das Ziel des Atemluft-Transports, denn hier findet der Gasaustausch statt.
Bei jedem Atemzug füllen sich die Lungenbläschen mit Luft. Sie sind, getrennt nur durch eine durchlässige, hauchdünne Membran, von einem feinen Netz aus Blutgefäßen umgeben. Der Sauerstoff der eingeatmeten Luft passiert diese Membran, die etwa zehn Mal so dünn ist wie ein menschliches Haar. Anschließend gelangt er in die feinen Blutgefäße, die sogenannten Kapillaren, die ihn über die Blutbahn in die Körperzellen leiten. Diese brauchen den Sauerstoff, um damit Traubenzucker, Fette und Eiweiße zu „verbrennen“. Auf diese Weise stellt unser Körper die Energie her, die er zum Leben und Funktionieren benötigt. Ein Abfallprodukt dieser Energieerzeugung ist das giftige Kohlendioxid, von dem der Körper über die Lungenbläschen täglich etwa ein Kilogramm abgibt. Der Gasaustausch in der Lunge funktioniert also auch umgekehrt: Über die Lungenbläschen gelangt das Kohlendioxid in die kleineren Bronchien und zu den Hauptbronchien, dann weiter zur Luftröhre und schließlich aus dem Körper hinaus. Beim Atmen arbeitet die Lunge wie ein Blasebalg, der durch die Muskeln des Zwerchfells und die Zwischenrippenmuskulatur bewegt wird.
Der erwachsene Mensch holt pro Minute ungefähr 12- bis 15-mal Luft – pro Zug geht jeweils etwa ein halber Liter Luft ein und aus. Pro Tag bewegt sich die Lunge zirka 20.000 Mal. Wer sportelt oder schwer arbeitet, kommt auf weit mehr Atemzüge. Läufer brauchen zum Beispiel 60 Liter Atemluft pro Minute, schlafende Menschen hingegen nur etwa fünf Liter. Die Lunge fungiert aber nicht nur als „Gasaustauscher“, sie hat noch eine weitere wichtige Funktion. Zum einen feuchtet sie die eingeatmete Luft an, was den Schleimhäuten, die die Bronchien umhüllen, guttut. Zum anderen befördern die beweglichen Flimmerhärchen auf der Oberfläche der Bronchien Unerwünschtes aus der Lunge: Eingeatmeter Staub und Dreck, Pollen, Bakterien und andere Krankheitserreger werden reflexartig ausgehustet oder unwillkürlich verschluckt.
Kein Zurück
Die Bronchialästchen und die Lungenbläschen sind zarte Gebilde. Das ist von der Natur so vorgesehen, damit der Gasaustausch optimal funktioniert. Es bringt aber auch Nachteile: Ihre Flimmerhärchen und Schleimhäute sind nur bis zu einem gewissen Grad belastbar. Auf häufig wiederkehrende Reize wie Zigarettenrauch, Luftschadstoffe und häufige Infektionen reagieren sie sehr empfindlich bis hin zum unwiderruflichen Absterben. „Wenn ein Lungenbläschen erst einmal zerstört ist, gibt es kein Zurück“, erklärt Dr. Studnicka. Bei langjährigen Lungenkrankheiten bildet das kaputte Gewebe schließlich wabenartige Löcher in der Lunge – das sogenannte Emphysem. Ein Vorgang, der nicht geheilt, sondern nur gestoppt werden kann.
Eine rechtzeitige Behandlung ist daher gerade bei der Lunge besonders wichtig. Leider ist das oft nicht der Fall. Dass COPD – die chronisch obstruktive Lungenerkrankung – in frühen Stadien so selten aufgedeckt wird, ist besonders alarmierend. Zigarettenrauch ist der wichtigste Verursacher. Doch nicht nur Raucher erkranken daran! Das belegt eine Studie, die unter der Leitung von Professor Studnicka gemacht wurde.
„Lungenkiller“
Dabei zeigte sich, dass auch 5,5 Prozent der Nie-Raucher an der Erkrankung leiden. Etwa eine Million Österreicher dürften an einer COPD laborieren. Rund 50.000 davon leiden an der schwersten Form, bei der schon die geringste körperliche Anstrengung Atemnot verursacht! Viele der Erkrankten in einem frühen Stadium wissen nichts von den Atemproblemen, die ihnen unweigerlich drohen, wenn die Erkrankung nicht in Schach gehalten wird und sie nicht mit dem Rauchen aufhören. „Dabei ist Raucherentwöhnung eine der effizientesten Vorsorgemaßnahmen und kann einen enormen Gewinn an Lebensjahren bringen“, erklärt Primar Studnicka, der sich auch als Anwalt für die Lungengesundheit versteht. Nikotin ist noch immer die Nummer eins unter den Gefahren für die Lunge: „Die Lunge eines Rauchers altert drei bis vier Mal so schnell wie die eines Nichtrauchers“, so Studnicka. Ohne Schädigungen, wie sie natürlich auch durch Umweltbelastungen auftreten, sei die Lunge auch im Alter ein leistungsstarkes Organ.
Leider ist es mit einem Rauchstopp alleine nicht getan. Denn für die Entwicklung der COPD und anderer Lungenkrankheiten spielen auch die Feinstaubbelastung und hier vor allem die Verkehrsbelastung in der Luft eine Rolle. Österreichweit sorgen Dieselabgase laut Angaben der Österreichischen Ärztekammer für rund 33.000 Asthmaanfälle pro Jahr und für viele andere Lungenprobleme. Sich an die 100-km/h-Beschränkung auf der Autobahn zu halten oder öfter mal das Auto stehen zu lassen, rettet daher indirekt Menschenleben.
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